Ein energieautarkes Grün.Enzersdorf

Was ist der beste Weg für eine Gemeinde, um energieautark zu werden? Und gleichzeitig zu vermeiden, nur um autark zu sein, Energie zu vergeuden.

Zunächst muss man definieren, was man damit überhaupt meint.

Alle Energie, die verbraucht wird, soll innerhalb des Gemeindegebietes erzeugt werden können.

Es ist durchaus sinnvoll auch Energie zu produzieren, die anderen zugute kommt und Energie einzuführen, wenn dies das Gleichgewicht nicht beeinträchtigt und den ökologischen Fußabdruck nicht vergrößert.

Es gibt sechs Wege Energie sinnvoll in Groß-Enzersdorf zu erzeugen bzw. zu nutzen: Wind, Sonne, Holz, Biomasse, Erdwärme und – Einsparen.

Windenergie

Die Möglichkeiten sind groß, der Wind weht oft und in geeigneter Stärke. Vogelschutz und Bürgermeinung stehen dem entgegen. Einige Gebiete sind Vogelflug und Lärm betreffend als unbedenklich ausgewiesen. Hier wurde trotzdem nicht gebaut, weil BürgerInnen mehrheitlich dagegen waren.

Was hier notwendig ist, ist aktive Aufklärung der Bevölkerung seitens der Gemeinde. Windenergie hat eine der besten (natürlich nicht kompletten) CO2-Relationen der Energiegewinnung. Bereits nach einem halben Jahr erzeugt ein Windrad Netto-Strom. Das heißt, die Energie, die zu seiner Erzeugung und Aufstellung nötig war, ist bereits wieder erzeugt worden. Im Vergleich dazu geht das bei Kohle und Gas nie, bei anderen Energieträgern sehr viel später. Windräder lassen sich auch wiederverwerten.

Das Problem der Überproduktion einerseits und Unterproduktion an windstillen Tagen scheint mit einfachen, innovativen Lösungen bald überwunden werden zu können: Speicherkraftwerke, die Windenergie in Pumpenergie umwandeln, die Wasser nach oben pumpt und es im Bedarfsfall wieder durch die Turbine nach unten entlässt. Ohne Batterie, ohne Schadstoffe. Allerdings im Moment in Groß-Enzersdorf Umgebung mangels Erhebungen unwahrscheinlich.

Hier kommt es eben auf die überregionale Sinnhaftigkeit an. Liefern von Windkraftstrom an Speicherwerke im Gebirge wäre eine Möglichkeit.

Die Ästhetik ist oft zitiertes Thema, hat aber zwei sehr schlagkräftige Gegenargumente: Die Hochspannleitung ist mindestens genauso ins Auge fallend aber notwendig, ergo stört man sich nicht mehr daran. Windkraft ist aber ebenso notwendig, um die Klimaziele zu erreichen.

Die Lärm- und Vogelschutzthematik ist separat zu betrachten. Lärm, in der Nähe der Turbinen, wäre geringer als Verkehrslärm von mit brennbaren Fossilen Energieträgern betriebenen Autos. Lärm ist relativ. Wenn es gelingt, mit Windenergie elektrobetriebene (auch Wasserstoff-) Autos auf die Straßen zu bringen, wäre der Lärm der Turbine das kleinere Übel. Er entsteht nur woanders und zwar dort, wo bislang keiner war.
Vogelschutz (und Fledermausschutz) sind wirkmächtigere Argumente. Es gibt aber – siehe oben – ausgewiesene Gebiete von geringer Durchzugsinzidenz. Diese sind bei weitem nicht ausgeschöpft.

Sonne

Durchschnittliche CO2-Äqivalent Emissionen verschiedener Stromerzeugnungstechnologien [EnAg] (c) Fraunhofer Institut

Fährt man durch Bayern so sieht man viele Dörfer, die auf Solarenergie gesetzt haben. Nicht nur auf Dächern, sondern auch auf Feldern. Man mag das schön finden oder nicht: Solarenergie hat einen kleinen ökologischen Fußabdruck.

Eine sehr gute Studie dazu liefert das Frauenhofer Institut.

Zwischenstopp

Für Groß-Enzersdorf relevant wäre es, Windenergie dort anzusiedeln und zu fördern, wo das ausgewiesen möglich ist. Dazu braucht es eine Informationsanlaufstelle für die Bevölkerung.

Für Sonnenenergie besteht eine viel größere Akzeptanz. Hier sollte die Stadtgemeinde ein aktives vom Land und Bund abgekoppeltes Förderverfahren einführen. Da sich klimatechnisch Solaranlagen nach zwei bis drei Jahren in Netto-Bilanz umwandeln, aber eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren haben, sind sie in der Gesamtbilanz umweltfreundlich.

Damit sie auch für den ökonomischen Teil nützlich sind, wäre die Förderung so anzusetzen, dass sich Solarstrom für den Verbraucher bereits nach wenigen Jahren rechnet.

Die Gemeinde könnte ihren Strombedarf aus gespeicherten Überkapazitäten der geförderten Privathaushalte in wenigen Jahren bereits decken – wenn es Speicherwege zu Speicherkraftwerken gäbe. Ein System von Anteilseigentümern am Stromnetz der Gemeinde wäre denkbar. Der Weg der erfolgreichen energieautarken Nationen oder Kommunen geht hin zu Mikrokraftwerken und Speicherungen.

Konkret hieße das, der Gemeinderat beschließt die Solar- (Windkraft-)Förderung aus eigenen Mitteln, mit der gleichzeitigen Suche nach bzw. Errichtung eines Speicherkraftwerkes, in das die Überproduktion von den geförderten Haushalten einfließt. Daraus bezieht die Gemeinde sämtlichen Strombedarf für ihre Schulen, Infrastruktur, E-Auto-Ladezapfsäulen.

Studenten der TU werden beauftragt so ein Modell zu errechnen und zu implementieren.

Holz

Holz Ist zwar vorhanden und als erneuerbare Ressource im guten Kurs. Die Bilanz ist aber nicht positiv.

Hackschnitzel und Pellets sind besser als Kohle und Gas oder Öl aber das ist langfristig zu kurz gedacht. Als Übergangslösung allerdings, um den Ausstieg aus Kernkraft, Kohle und Gas zu ermöglichen, sehr sinnvoll.

Biomasse

Erzeugt relativ gesehen viel CO2. Für Biomasse gilt das gleiche wie für Holz – siehe oben.

Erdwärme

Ist ein weiterer Zukunftsträger an ökologisch sinnvoller Energiegewinnung ist die Erdwärme. Auch hier könnte das Gemeindeförderungsmodell greifen. Ob Solar oder Erdwärme oder Wind: Die mittelfristige Zukunft in Grün.Enzersdorf sollte genau darauf setzen.

Einsparen

Hier besteht großes Potential. Schon vor Stopfenreuth und der Diskussion um die Wasserkraftwerke der Donau erklärte Rupert Riedel, Professor an der Uni Wien, dass man sich um die Kosten eines Kraftwerkes zwei sparen könne, wenn man das Geld in energiesparende Maßnahmen stecken würde.

Auch hier ist ein guter Ansatz für sinnvolle Gemeindeförderung mit rückführender Gewinnbeteiligung. Die Umsetzung eines Beteiligungsmodells erscheint schwieriger, aber nicht unmöglich. Wärmedämmende Maßnahmen, verkehrstechnische Maßnahmen, Leitungsverluste eindämmen, Rückgewinnung von Industrieenergieausstoß (Kühlung zur Wärmeerzeugung) – all das kann mit Förderungen angereizt, mit Expertenberatung umgesetzt und genutzt werden.

Fazit – Maßnahmen der Gemeinde
  1. Einsetzung eines Energierats der Stadtgemeinde.
  2. Einsparmaßnahmen in Privathaushalten anhand der Energierechnungsbilanz fördern. Bei Vorlage geringeren Verbrauches Rückförderung der getätigten Maßnahme mit einem noch festzusetzenden Prozentsatz.
  3. Aufstockung des Bauamtes um einen Absolventen eines Umwelttechnikinstitutes (siehe 1).
  4. Förderprogramm für Solaranalgen jeglicher Art mit einem eigenen Gemeindeschema.
  5. Bonus und Malus-Zertifikate für Großbetriebe für Abwärmenutzung.

Martin Sommerlechner

Foto: © Waldemar Brandt/Unsplash

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